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Aktivierung von Wohnraum

Antrag zur Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Bau am 30. September 2026:
Aktivierung von Wohnraum

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,

der Bau- und Umweltausschuss empfiehlt dem Rat der Stadt Wermelskirchen, folgenden Beschluss zu fassen:

Vor dem Hintergrund eines sich verändernden und stetig zunehmenden Wohnraumbedarfs sowie des gleichzeitigen Erfordernisses zum Schutz von Natur- und Landwirtschaftsflächen, sprich schonenden Umgangs mit Ressourcen wird die Verwaltung beauftragt zu prüfen, ob und in welcher Form ein Programm zur Aktivierung von Wohnraum im Bestand entwickelt werden kann.

Ziel dieses Programms ist es, vorhandene Wohnraumpotenziale systematisch zu erschließen, Leerstände abzubauen sowie die Mobilität auf dem Wohnungsmarkt zu erhöhen und dadurch zusätzlichen bezahlbaren (bis 9 € pro m²) Wohnraum zu schaffen.

Im Fokus stehen dabei insbesondere:

  • die Schaffung von Transparenz durch die systematische Erfassung von Leerständen,
  • die Beratung von Eigentümern bzw. Vermietern durch die Verwaltung sowie gegebenenfalls durch externe Experten, insbesondere zu bestehenden und kombinierbaren Förderprogrammen zur Aktivierung zusätzlichen Wohnraums,
  • die Entwicklung gezielter Anreizsysteme einschließlich möglicher eigener kommunaler Förderansätze sowie die Nutzung bereits bestehender Förderprogramme,
  • die enge Zusammenarbeit mit relevanten Marktakteuren.

Auf dieser Grundlage soll geprüft werden, wie innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren kurzfristig zusätzlicher Wohnraum im Bestand mobilisiert werden kann.

Die Prüfung sollte maximal 12 Monate benötigen!

Problemstellung und Begründung:

Wermelskirchen steht vor der Herausforderung, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig Natur- und Landwirtschaftsflächen zu schützen. Gleichzeitig bestehen im Stadtgebiet bislang unzureichend genutzte Wohnpotenziale, insbesondere im Bestand und hier insbesondere bei Einliegerwohnungen.

Neubau schafft zwar mehr Fläche – aber keinen proportionalen Nutzen

Zwischen 2013 und 2024 ist:

  • die Bevölkerung praktisch konstant geblieben (ca. 34.400 Einwohner)
  • die Zahl der Wohnungen um +4,3 % gestiegen
  • die Wohnfläche sogar um +7,8 % gewachsen
  • Gleichzeitig ist die Wohnfläche pro Kopf deutlich gestiegen: von 48,75 m² auf 51,88 m² pro Einwohner (+6,4 %)

(Quelle Kreisstatistik: Kataster, Bauen &Wohnen (Anlage)

Innerhalb der Bürgerschaft zeigt sich zunehmend eine sinkende Umzugsbereitschaft, insbesondere bei älteren Menschen. Viele leben weiterhin in Einfamilienhäusern, obwohl ihr Platzbedarf deutlich gesunken ist und Pflege sowie Unterhaltung der Immobilie zur Belastung werden. Gleichzeitig besteht häufig der Wunsch nach kleineren, barrierearmen Wohnungen in zentraler Lage. Diese sind jedoch kaum verfügbar oder aufgrund hoher Angebotsmieten im Neubau für viele finanziell nicht erreichbar. In der Folge verbleiben viele ältere Menschen im eigenen Haus, obwohl dieses nicht mehr ihrem Bedarf entspricht.

Auf der anderen Seite steht eine wachsende Zahl junger Familien, die größeren Wohnraum sucht. Sie benötigen Platz für Kinder und ein stabiles Wohnumfeld, finden jedoch kaum geeignete Angebote. Große Wohnungen oder freiwerdende Einfamilienhäuser stehen nicht im benötigten Umfang am Markt zur Verfügung, während Neubauten oft zu teuer sind. Dies führt dazu, dass Familien in zu kleinen Wohnungen verbleiben oder im ungünstigsten Fall abwandern.

Es entsteht eine klare Fehlverteilung: Ältere Menschen wohnen häufig auf großer Fläche, während Familien mit zu wenig Raum auskommen müssen. Ursache hierfür ist weniger ein Mangel an Wohnraum, sondern vielmehr eine blockierte Marktstruktur. Hohe Mieten, fehlende attraktive Alternativen im Bestand und wirtschaftliche Nachteile beim Umzug führen dazu, dass kaum Bewegung im Wohnungsmarkt entsteht.

Konkrete Beispiele verdeutlichen diese Situation: Eine alleinstehende Person lebt weiterhin in einem großen Haus, weil eine passende kleinere Wohnung nicht bezahlbar ist. Gleichzeitig findet eine vierköpfige Familie keine größere Wohnung und bleibt auf engem Raum. In vielen Häusern stehen zudem Einliegerwohnungen leer oder werden nicht genutzt, obwohl hier kurzfristig zusätzlicher Wohnraum entstehen könnte.

Die Entwicklung zeigt deutlich: Neubau allein löst dieses Problem nicht. Trotz steigender Wohnfläche pro Kopf bleibt die strukturelle Fehlverteilung bestehen, während gleichzeitig zusätzliche Flächen verbraucht werden. Der entscheidende Hebel liegt daher in der Aktivierung vorhandener Potenziale im Bestand. Nur durch eine bessere Nutzung vorhandenen

Wohnraums kann Bewegung in den Markt gebracht und der Bedarf tatsächlich gedeckt werden.

Zielsetzung:

•        Schaffung von Wohnraum im Bestand

•        Reduzierung des Flächenverbrauchs durch Neubauten

•        Aktivierung leerstehender Wohnungen

•        Effiziente Nutzung von Fördermitteln

Zu prüfenden Lösungsansätze:

  1. System zur Erfassung vor Leerständen und anonyme Immobilienbörse

    Die Stadt Wermelskirchen entwickelt ein GIS-gestütztes System zur Erfassung von:
    – leerstehenden Wohnungen
    – untergenutzten Wohnflächen
    – optional gewerblichen Leerständen und Brachen mit Umnutzungspotenzial

Das System dient als Planungs-, Steuerungs- und Aktivierungsinstrument und umfasst die Erhebung sowie räumliche Verortung der Objekte.

Zur Aktivierung kann z.B. eine anonymisierte Immobilienbörse eingerichtet werden, über die Eigentümer ihre Objekte niedrigschwellig anbieten können.

Sie werden aktiv bekannt gemacht, insbesondere über:
– städtische Website und Social Media
– gezielte Öffentlichkeitsarbeit
– postalische Ansprache, z. B. über den Grundsteuerbescheid

Für Wohnungen, die seit mindestens 12 Monaten nicht genutzt wurden, kann nach Beratung und nachweisbarer Vermietungsabsicht sowie Prüfung von Meldebescheiden ein Aktivierungsbonus von 250 € gewährt werden pro Wohnung. Diese Wohnungen werden dann der Anonymen Wohnungsbörse zur Verfügung gestellt.

Sollte es zu einer Vermietung der Wohnung kommen ( bis zu 8 € pro m²) kann nach Vorlage des Mietvertrages und der Meldebescheinigung ein Prämie von 1.5 Monatsmieten gezahlten werden nach einem mindestens 12-monatigen Mietverhältnis. Das Programm sollte vorerst mit einer maximalen Fördersumme von 250.000€ angesetzt werden.

  1. Aktive Eigentümeransprache und Beratung

    Auf Basis des Katasters erfolgt eine gezielte Ansprache von Eigentümern. Ziel ist es, Hemmnisse abzubauen und konkrete Nutzungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

    Die Beratung umfasst insbesondere:
    – rechtliche und organisatorische Frage
    – Wirtschaftlichkeit der Vermietung
    – Fördermöglichkeiten z.B. Kombination von „Jung kauft alt“ und „altersgerechtes Wohnen“
    Hierfür wird eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet (Förderlotse / Leerstandsmanager).
  1. Gestaltung und Ermittlung von Förderprogrammen
    Die Verwaltung wird beauftragt, ein Aktivierungsprogramm für Wohnleerstand zu entwickeln und zu prüfen. Dieses umfasst insbesondere die Prüfung finanzieller Anreize im Rahmen verfügbarer Förderprogramme und Schaffung einer eigenen Programmatik unter Berücksichtigung der Haushaltslage
    Die Stadt prüft und nutzt zudem systematisch bestehende Förderprogramme, insbesondere aus der Städtebauförderung NRW, der Wohnraumförderung, von NRW.BANK, KfW sowie Bundesprogrammen zur Leerstandsaktivierung.
  1. Zusammenarbeit mit relevanten Marktakteuren
    Die Stadt etabliert einen regelmäßigen „Runden Tisch Wohnen“ mit zentralen Marktakteuren:
    – Immobilienmakle
    – Architekten
    – Verein Deutscher Vermieter
    – Mieterbund
    – weitere Fachakteure

Ziel ist:
– laufende Bewertung der Marktsituation
– Identifikation von Hemmnissen
– Schärfung bestehender Förderinstrumente
– Entwicklung neuer, passgenauer Programme für Wermelskirchen

Wir bitten um Zustimmung.

Mit freundlichen Grüßen     
gez. Marcello Albani (sachkundiger Bürger)    

Foto: pexels   

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